Donnerstag, 28. Juni 2018


Erwartungen optimal erfüllt
Wirklich, wer nach dem Ausscheiden der Deutschen Fußballnationalmannschaft enttäuscht war, sollte sich schämen. Die Jungs haben doch genau das getan, was man von ihnen erwarten konnte! Sie sind sang- und klanglos ausgeschieden.
Und mehr konnte man wirklich nicht erwarten.
Es wäre ja geradezu peinlich gewesen, wenn sie beim Sang der Nationalhymne so geklungen hätten, als würden sie vor Ehrgeiz brennen! Als wäre ihnen bewusst, dass sie ein Aushängeschild für Deutschland sind. Jedenfalls die meisten!
Von Khediera, Özil und Gündogan hingegen, die ja zwei Heimaten haben, war von vornherein so ein Fehlverhalten nicht zu befürchten.
Schauen wir aber mal etwas in die Vergangenheit zurück.
Nach der letzten Weltmeisterschaft, die 2014 gewonnen wurde, sind einige Spieler zu Weltstars geworden. Hummels ging zu Bayern München, Kroos ging zu Real Madrid, Khediera zu Juventus Turin, Özil war - in Erwartung, dass er Weltmeister mit Deutschland werden würde - schon kurz vorher zum FC Arsenal gegangen, Müller bekam bei Bayern München fortan sein Gnadenbrot, weil er Torschützenkönig geworden war.
In der letzten Saison wurde Thomas Müller übrigens laut Statistik zum besten Vorbereiter der Bundesliga, weil vornehmlich Lewandowski immer eilig dahin geeilt ist, wohin Müller den Ball zufällig hin schoss. Meistens hätte Müller eigentlich selber dort stehen müssen, wo der Ball hinkam. Aber weil er auch ein bayrisches Original und immer gut drauf ist, behielt er auch unter Jupp Heynckes einen Stammplatz am Ofen.
Schweinsteiger und Lahm nahmen den Hut und verabschiedeten sich - der eine nach Amerika, der andere in den verdienten Ruhestand - von der Nationalmannschaft.
Jogi Löw blieb Cheftrainer.
Mit neuen Leuten gewann  dann Löw den Confet-Cup. Von denen konnten sich nur wenige in den 2018er Kader hinüberretten - dabei Timo Werner noch am eindeutigsten!
Aber was nützt ein Timo Werner mit seiner Dynamik, wenn ihm keiner einen Pass spielt?
Im Spiel gegen Südkorea bekam er in der Endphase des Spieles, als es um "Alles" ging, keinen einigen Ball mehr. Weder von Özil, noch von Kroos!
Aber das war eigentlich schon lange vor der Weltmeisterschaft abgeklärt - die Confet-Leute störten mit ihren ungestümen Gebärden und Attacken das Spiel der alteingesessenen Weltmeister. Einige der übelsten Heißsporne mussten zu Hause bleiben. Dass Süle und Werner mitdurften, haben sie ihrem netten Charakter zu verdanken. Die Großklappe Wagner hatte keine Chance!
Wobei - dem Gomez habe ich es ja eigentlich aufs Alter nochmal gegönnt, dass er nach Russland mitfahren durfte, aber seine Reflexe vorm Tor waren eben bei ihm doch mehr die eines Frührentners, wenn wir den Vergleich mit Sanè, der auch zur Wahl stand, mal ganz außen vorlassen wollen.
Es bleibt die Erkenntnis, die man bereits aus den Vorbereitungsspielen ziehen konnte, dass die deutsche Mannschaft in mindestens zwei Teile zerfallen war. Allerdings ist eben eine Mannschaft ein sehr kompliziertes, psychologisch höchste komplexes Gebilde, was nicht bis ins letzte berechenbar ist. Bei einer Mannschaft ist es wie bei einem Gewehr: In wie viele Teile das Gewehr zerfällt, entscheidet sich daran, wie man es hinschmeißt!
Bei der Mannschaft kommt es darauf an, wie sie gefordert und belastet wird. Und wenn sich einige Teile der Mannschaft doch zu fein sind für schweißtreibende Drecksarbeit, dann ist es eben irgendwann keine Mannschaft mehr. Auch die Teile des Gewehres müssen - nach dem man es hingeschmissen hat - wieder zusammen passen, sonst schießt es nicht mehr!
Aber das wusste man schon vor der Weltmeisterschaft. Auch Jogi Löw wusste es. Hatte es in den Vorbereitungsspielen gesehen! Aber er hat einer trügerischen Hoffnung vertraut - der Hoffnung, dass man sich irren kann! Dass satte Bäuche doch noch Hunger haben könnten!
Eduard Sachsenmeyer


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